„Ihr langweilt mich!“

Happy

Hihi, wenn ein Prüfer den Satz zu einem sagt, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder war man unsagbar schlecht und der Prüfer hat keine Laune mehr, sich das Drama weiter anzuschauen, oder man war so gut, dass dem Prüfer nix einfällt zu verbessern. Aber wie rum war´s nun?

Fangen wir am Anfang an:

Heute ist war der Tag der Prüfung für´s Bodenseeschifferpatent Kategorie Motorboot. 20 Prüflinge sollten heute zeigen was sie die letzten Tage in der Segelschule gelernt hatten. (ja, ich weiss. Wir sind aber trotzdem in einer Segelschule gewesen, auch wenn wir Motorboot fahren wollen.) Das Wetter war bestens. Super Sonne und nur ganz wenig, aber immerhin ein klein wenig Wind. Beste Voraussetzungen für die Prüfung.

10 Uhr war anvisiert, etwas nach halb elf trudelte der Prüfer ein. Hat wohl das Wetter ein wenig zu sehr auf der Fahrt nach Ludwigshafen genossen. Wink Dann ging es aber zügig los und ein Prüflingduo nach dem anderen durfte zeigen was es kann. Vom Ablauf her eigentlich immer das selbe: Boot in Beschlag nehmen, ausparken, Richtung See losfahren. Die vom Prüfer über Bord geworfene Boje wieder einsammeln, einmal mit rechts und einmal links einparken, kurzer Fahrerwechsel, die Manöver nochmal und dann wieder am Ausgangspunkt einparken. Nur der ein oder andere musste mal eine kleine Extra-Einlage machen, aber ansonsten ziemlich zackig hintereinander weg.

Und endlich war auch ich dran. Erst mal auf´s Boot runterklettern, der See hat noch ziemlich wenig Wasser, das sieht ziemlich tief runter aus von der Hafenmauer bis zum Boot. Dann vorsichtig aufs Boot, nicht, dass man da schon aussenbords geht. Bis dahin alles locker. Dann kurz beim Prüfer vorstellen und los geht´s. „Einer an´s Ruder und ausparken“. Mein Prüflingskollege drückt sich, also darf ich anfangen. Ist aber nicht schlimm, ich platze beinahe vor Selbstbewusstsein und übernehme direkt das Boot. Rückwärtsgang einlegen und raus aus der Parkbox. „Richtung See rausfahren, da machen wir das Rettungsmanöver“. Ok, alles klar, wir wissen ja schon wie es geht. Also Fahrt aufnehmen (nicht zuviel, wir sind ja noch im Hafen) und Richtung See losfahren. Der Prüflingskollege darf schon mal mit den Knoten anfangen. Auf dem Weg um die Hafenmauer rum nochmal kurz nach den Wimpeln der Segelboote schielen, dass ich weiss woher der Windkommt, und schon macht es an Backbord Platsch und die arme Boje ist zum x-ten Mal heute über Bord gegangen. (Langsam sollte man meinen, dass die Boje weiss, dass das Wasser nass und kalt ist und an Bord bleibt, aber nein, auch ich muss das Ding wieder einsammeln  Delicious ). Also artig wie gelernt, Gang raus, Ruder hart Backbord und das Sprüchlein aufsagen: „Person über Bord, Rettungsmittel bereit…..“, „Rettungsmittel liege bereit und wir schauen auch“ durchkreuzt mich der Prüfer schmunzelnd und dreht sich wieder dem anderen Prüfling zu, der gerade seine Navigationsprüfung macht. Hihi, ok, dann also nur gemütlich einsammeln das Ding, möglichst Nase … ähm. Bug gegen den Wind. Klappt auch wunderbar, wie im Bilderbuch. Nun geht´s an die Anlegemanöver, einmal Steuer- einmal Backbord. Wie gemalt treibt das Böötchen die letzten paar Zentimeter, vom Wind getrieben, ans die Leiter. Perfektes Manöver, schöner geht´s nicht mehr. „Bitte genauso schön mit Backbord“ kommt vom Prüfer. Beim Ablegen und rückwärts von der Mauer wegziehen kommt die einzige kleine Verbesserung „auch mal nach hinten schauen ob da was ist, sonst könnt´s teuer werden“. „Guter Mann, wir sind alleine im Hafen, da ist nix im Weg“ denke ich mir, strahle ihn aber lieb an und sage „stimmt, wollen wir doch nicht“. Mit einem Blick nach hinten drehe ich das Boot von der Mauer weg, drehe eine Runde im Hafen und stoppe das Schiffli perfekt neben der Leiter. Backbordseite anlegen gemeistert. Damit habe ich die Prüfung fast hinter mir. Während mein Prüflingskollege die gleichen Manöver beginnt darf ich Knoten machen und mich in der Navigation beweisen. „Bitte einen Palstek um den Bootshaken“ kommt als erstes. Auf mein „aber gerne“ folgt ein Schmunzeln mit der Bemerkung „das wäre jetzt das erste Mal heute, dass jemand das gesagt hätte“. Hihi. Ich weiss eben was ich kann, und an diesem Punkt kann mir quasi nix mehr passieren. Flugs zaubere ich die gewünschten Knoten ins Seil, erkläre dem Prüfer wie die Kompass-Peilung den Weg in die Karte findet, zeichne dort eine Linie und habe meine Prüfung für Bodenseeschifferpatent und Navigation….

…BESTANDEN  Approve

Daumen hoch zu Monika, die auf der Hafenmauer steht und zuschaut, dass auch sie weiss, dass ich durch bin. Doch der witzigste Moment kommt noch:

Nachdem mein Prüflingskollege das Boot ebenfalls traumwandlerisch sicher und perfekt mit der Steuerbord-Seite an die Leiter der Hafenmauer geparkt hat, kommt gut gelaunt vom Prüfer:

„Bitte direkt in die Box, ihr langweilt mich!“.

Ich hätte mich fast weggeworfen vor grinsen. Der Prüfer beendet die Prüfungsfahrt vorzeitig, weil wir beide zu gut sind. Hihi. Genial, das war ein Seelenstreichler wie er im Buche steht. Super, Der Abschluss einer prima Prüfung.  Delighted

Der See kann kommen :-)

Grüssles und Danke an alle für´s Daumen drücken
Theia