Nur wenige Sekunden Zeit

Einfach Wahnsinn diese Veranstaltung. In nur wenigen Sekunden sind die besten Plätze weg. 3-2-1-keins, wenn man nicht wie ein Schießhund dran ist.

Ach ja, um was geht es eigentlich? Ganz einfach:

Heute startete der Vorverkauf für die Tickets des Basel Tattoo 2014. Dieses wird im Juli nächsten Jahres stattfinden. Aber eben heute ist der ganz wichtige Termin. Um 8:00:00 Uhr beginnt der Vorverkauf. und um 8:00:15 Uhr sind die besten Plätze weg Amazed Ja, die Zahl stimmt, es dauert sage und schreibe nur wenige Sekunden und die Freitag und Samstag Abend-Termine geben keine Handvoll zusammenhängender Plätze in den guten Blöcken mehr her.

Da wir das inzwischen ja wissen, war ich bereit. Zwei Rechner plus zusätzliche Handy-App zu Ticketshops waren bereit. Eine Funkuhr zeigt die genaue Zeit. Punkt 8 Uhr, müssen die bereits voraufgerufenen Veranstaltungsseiten aktualisiert werden. Der nächste Klick muß sitzen (man sollte da nicht mehr überlegen müssen, wann man denn hin möchte), dann noch ein zweiter exakter Klick auf die richtige Ticketkategorie und möglichst schnell die Anzahl der Karten ein geben. Der Klick auf „in den Warenkorb“ muß nach spätestens 5 Sekunden erfolgen, sonst ist es fast schon zu spät. Dann einen Blick auf die reservierten Tickets werfen, einen kleinen Freuenschrei loswerden ….

und sofort den Versuch auf dem zweiten Browserfenster mit dem alternativ-Terminwunsch, auf die eigentlich kaum vorhandene Hoffnung hin, evtl. dort noch einen klitzekleinen Tick bessere Plätze zu erwischen. Aber eigentlich kann man sich das schenken. Wer am Wunschtermin Reihe 5 im Wunschblock schafft, braucht keine anderen Karten mehr. Aber einen Versuch muß man halt irgendwie doch machen Wink

Naja, im Ergebnis haben wir nun unsere fünf Tickets für das Basel Tattoo am Wunschtermin in der 5. Reihe des besten im freien Verkauf befindlichen Blocks. Was will man mehr?

Nun heißt es: Auf ein wahnsinnig tolles Event in etwa 7 Monaten freuen Happy

Grüßles
Theia

 

Winke Winke Bernadette

Eigentlich hätte ich drei Wochen in Friedrichshafen sein sollen. Geschäftlich, wie die letzten Jahre. Doch dieses Jahr sollte es anders kommen, leider nicht glücklich.

Seit Herbst letzten Jahres schaute meine Monika verstärkt nach ihrer Mami in Basel. Ein Krankenhausaufenthalt nach einem Schwächeanfall und vermutlich leichten Herzinfarkt, machten meiner Schwiegermami Bernadette das Alltagsleben etwas schwerer. Es ging einfach nicht mehr so leicht wie früher und bis es mit einem Platz im Altersheim klappt, verbrachte sie ihre Zeit noch in ihrer Wohnung. Unterstützt vom Pflegedienst, der Familie und Freunden. Das klappte soweit auch ganz ordentlich und sie kam ganz gut zurecht.

In der Nacht von Freitag auf Samstag klingelt plötzlich gegen Mitternacht das Telefon. Telefonanrufe mitten in der Nacht sind entweder Verwähler oder nicht gut. Als ich das Gespräch mit einer Schweizer Nummer annehme kommt die automatische Ansage: „Der automatische Notruf wurde ausgelöst.“ Ungläubig und etwas irritiert brauchen Monika und ich einen Moment um zu kapieren, dass es sich hierbei nur um das Notruftelefon von Bernadette handeln kann, das wir ihr vor einiger Zeit besorgt haben, um im Falle eines Falles schnell Hilfe holen zu können. Ein Anruf bei Monikas Bruder bestätigt die Befürchtung. „Peter ist schon unterwegs, Mutter ist gestürzt“ bekommen wir mitgeteilt. Zusammen mit Zoltan, einem sehr lieben Freund und gefühltem Familienmitglied, schaut Peter nach was los ist. Wir sitzen wie auf Kohlen, einerseits, weil wir selbst nichts machen können (wir bräuchten knapp 2 Stunden bis Basel), andererseits weil natürlich auch Peter und Zoltan Zeit brauchen um zu Bernadette zu kommen. Gefühlte Ewigkeiten später bekommen wir Info. Bernadette wäre nach ihrem Bekunden in einem Schwächeanfall zu Boden gegangen um nicht unkontrolliert zu stürzen. Dem Himmel sei Dank hatte Sie das Notrufhandy bei sich. Da es keine Anzeichen für Schlimmeres gab, konnten alle wieder zu Bett.

Allerdings nicht lange, denn gegen 4 Uhr läutete das Telefon erneut. Dieses Mal ein direkter Anruf von Bernadette. Sie fühle sich nicht wohl, habe die Notfallpflege und einen Arzt angerufen, sie wolle zur Sicherheit ins Spital. Ein Anruf bei Monikas Bruder, der sich dann kümmerte, war leider alles, was wir aus der Ferne tun konnten.

Nun beruhigte sich die Situation erst einmal. Im Spital wurde nach Bernadett untersucht und sie befand sich in guten Händen. Am Samstag Vormittag bekamen wir Nachricht aus Basel über die Ergebnisse und die weiteren Maßnahmen. Relativ beruhigt ging es durch den Tag. Am Nachmittag schaffte es Monika mit ihrer Mutter telefonieren zu können. Allerdings war diese ziemlich schwach und geschafft von den Untersuchungen und medizinischen Maßnahmen.

Relativ ruhig gingen wir in die Nacht auf Sonntag. Doch leider war uns auch in dieser Nacht kein durchgehender Schlaf gegönnt. Der Anruf kam dieses Mal früher, aber auch dramatischer. Eine Not-OP wäre gerade in Vorbereitungen. Der Zustand von Bernadett hätte sich massiv verschlechtert. An eine richtig geruhsame Nacht war nicht zu denken.

Der Sonntag war natürlich überschattet von den Nachrichten aus Basel. Da sich aber der Zustand von Bernadett aktuell stabil hielt entschieden wir, die Geschäftsreise nach Friedrichshafen anzutreten. In Basel hätten wir sowieso nichts tun können aktuell.

Noch am Sonntag Abend erhielten wir weitere Nachrichten. Es müsse nochmals operiert werden, es sähe nicht wirklich gut aus. In weiser Voraussicht informierte ich meine Firma über die Situation.

Die zweite OP dauerte erneut viele Stunden, Hoffen und Bangen wechselten sich ab. Der Montag verging, ein Gespräch zwischen den Ärzten und Monikas Bruder wurde auf Dienstag verschoben, um die Situation besser beurteilen zu können. Allerdings war schon klar, dass eine weiter OP würde folgen müssen.

Am Dienstag banges Warten auf die Ergebnisse des Gesprächs. Am früher Nachmittag kam endlich die Nachricht: Zustand aktuell stabil, aber kritisch und man müssen sich besprechen wie die Ärzte handeln sollten. Mir war klar, dass ich Monika niemals alleine nach Basel fahren lassen könne. Ich informierte meine Firma und nach Feierabend brachen wir auf nach Basel.

Wir kamen gerade noch rechtzeitig an. Die Ärzte hatten sich entschieden, die für Donnerstag geplante OP vorzuziehen und noch Dienstag Nacht die Kontrolle zu machen, die über die Chancen meiner Schwiegermami Auskunft geben würden. Die schon die Prognosen waren schlimm.

Wir hatten nicht ganz eine Stunde um bei Bernadette zu sein, bevor wir uns von ihr verabschieden mussten.

Es sollte nicht lange dauern, bis der befürchtete Anruf kam: „Wenn Sie ihre Mutter noch einmal sehen möchten, dann kommen Sie jetzt sofort„.

Unsere kleine Familienbande fand sich darauf hin am Krankenbett von Bernadette ein um Abschied zu nehmen.

Am 3.7.2013, um 4:50 Uhr, ließ die Seele den Körper los und ging hinüber in die neue Welt.

Bernadette Beck

Bernadette Beck, 15.2.1929 – 3.7.2013

Sie war nicht alleine als sie ging. Wir konnten die letzten Stunden bei ihr sein.

Liebe Bernadette,
wir werden immer an dich denken und dich in unseren Erinnerungen lebendig halten. Danke für die viele schöne Zeit zusammen.

Basler Fasnacht

Der Wecker klingelt, es ist 2 Uhr, Zeit zum Aufstehen. Bitte? Aufstehen um zwei Uhr, mitten in der Nacht??? Also, um zwei Uhr Nachts gehe ich zwar ab und an mal INS Bett, aber aufstehen? Womöglich sogar noch freiwillig? Bitte wo ist der nächste Psychiater? Delighted

Sodele, nun aber mal ernsthaft. Ja, es ist zwei Uhr Nacht und wir stehen jetzt auf. Genau wie zig tausende andere Menschen in und rund um Basel.

Als erstes heißt es „dick einmummeln“. Wir werden eine Zeit lang draußen in der Kälte sein. Unterwäsche, eine normale plus eine dicke Strumpfhose, dazu nochmal extra warme lange Socken. Hose, Pulover, Fleecejacke, eine warme Wollweste und da drüber dann die Winterjacke. Schneestiefel, Handschuhe und Wollmütze runden das Outfit ab. Ich fühle mich wie ein Michelin-Männchen Happy-Grin Egal, hauptsache ich kann es gleich ein paar Stunden draußen aushalten.

Eine halbe Stunde nachdem der Wecker uns geweckt hat, stehen wir an der Bushaltestelle und hoffen, daß der Sonderfahrplan stimmt und der Bus pünktlich kommt. Wir werden nicht enttäuscht. Pünktlich ist der Bus da, wir finden noch Platz und fahren ins Zentrum von Basel.

Noch ist nicht viel los, aber das soll sich bald ändern. Man kann kaum glauben, daß in kurzer Zeit hier die Straßen und Plätze voll mit Menschen sein werden. Wir haben noch Zeit und spazieren etwas durch die sich langsam füllende Stadt. Es ist kurz nach drei Uhr, Zeit sich ein günstiges Plätzchen zu suchen. Irgendwo wo man gut sehen kann, möglichst eine Kreuzung wo viel los sein wird, aber doch so positioniert, daß man nicht zerquetscht wird. Wir finden einen solchen Platz. Noch etwa 45 Minuten.

Es füllt sich immer mehr. Wo kommen nur die ganzen Leute her? Hier und da sieht man auch schon die eigentlichen Hauptdarsteller der Nacht.

Noch ein paar Minuten. Es ist kurz vor 4 Uhr. Der Minutenzeiger nähert sich der 12. Es wird langsam spannend. Noch ein zwei Minuten. Hier und da geht ein eine Laterne an, es gibt erste Trommel- und Flötentöne. Die Menge wird immer leiser.

Dann ist es soweit. Der Minutenzeiger springt auf die 12….es ist Punkt 4 Uhr….

 DAS LICHT GEHT AUS….

 … die Innenstadt von Basel ist stockfinster…

…ein Raunen geht durch die Massen…

 … und einen Wimpernschlag später geht das Spektakel los.

 „MORGESTRAICH, VORWÄRTS, MARSCH“

schallt durch die Straßen und schlagartig ist die Stimmung da. Bunte Laternen erhellen die dunkle Stadt. Trommeln und Flöten schaffen eine Gänsehautstimmung. Die Cliquen ziehen durch die Straßen, es ist Zeit für die Basler Fasnacht.

Kreuz und quer bahnen sich die Gruppen ihren Weg durch die Stadt. Gänsehautfeeling.

Die erste Zeit schaut man einfach nur den laufenden Gruppen zzu. Irgendwann beginnt die Menge sich aufzulösen und es wird luftiger. Man kann sich auch langsam wieder bewegen. Später ist es Zeit, selbst durch die Straßen zu wandern und die Stimmung aufzunehmen. Die kunstvoll gemalten Laternen, die Ideen hintern den Bildern und Sujets (den Themen der Cliquen) zu bewundern ist eines, sie zu verstehen etwas anderes. Die meisten Texte zu den Bildern sind selbstredend in Schweizerdeutsch gehalten und auch wenn ich es gut verstehen kann meist, so ist das lesen Schweizerdeutscher Texte doch was eigenes.

Wir haben Glück mit dem Wetter. Nicht zuuu kalt, wir haben knapp über null Grad, aber es ist eben auch nicht warm, das würde auch nicht wirklich passen. Aber vor allen Dingen, es ist trocken von oben. Streckenweise sind sogar Sterne zu sehen. Mein Engeli meint: „Petrus muß ein Basler sein“. Happy

Das wahre Gefühl muß man selbst erleben, das läßt sich nicht in Worte fassen. Wenn die Trommeltöne fühlbar und nicht nur hörbar sind, die Augen angesichts der Fülle an Farben und Lichtern nicht mehr wissen wo sie zuerst hinschauen sollen, dann hat sich das Aufstehen mitten in der Nacht gelohnt.