Winke Winke Bernadette

Eigentlich hätte ich drei Wochen in Friedrichshafen sein sollen. Geschäftlich, wie die letzten Jahre. Doch dieses Jahr sollte es anders kommen, leider nicht glücklich.

Seit Herbst letzten Jahres schaute meine Monika verstärkt nach ihrer Mami in Basel. Ein Krankenhausaufenthalt nach einem Schwächeanfall und vermutlich leichten Herzinfarkt, machten meiner Schwiegermami Bernadette das Alltagsleben etwas schwerer. Es ging einfach nicht mehr so leicht wie früher und bis es mit einem Platz im Altersheim klappt, verbrachte sie ihre Zeit noch in ihrer Wohnung. Unterstützt vom Pflegedienst, der Familie und Freunden. Das klappte soweit auch ganz ordentlich und sie kam ganz gut zurecht.

In der Nacht von Freitag auf Samstag klingelt plötzlich gegen Mitternacht das Telefon. Telefonanrufe mitten in der Nacht sind entweder Verwähler oder nicht gut. Als ich das Gespräch mit einer Schweizer Nummer annehme kommt die automatische Ansage: „Der automatische Notruf wurde ausgelöst.“ Ungläubig und etwas irritiert brauchen Monika und ich einen Moment um zu kapieren, dass es sich hierbei nur um das Notruftelefon von Bernadette handeln kann, das wir ihr vor einiger Zeit besorgt haben, um im Falle eines Falles schnell Hilfe holen zu können. Ein Anruf bei Monikas Bruder bestätigt die Befürchtung. „Peter ist schon unterwegs, Mutter ist gestürzt“ bekommen wir mitgeteilt. Zusammen mit Zoltan, einem sehr lieben Freund und gefühltem Familienmitglied, schaut Peter nach was los ist. Wir sitzen wie auf Kohlen, einerseits, weil wir selbst nichts machen können (wir bräuchten knapp 2 Stunden bis Basel), andererseits weil natürlich auch Peter und Zoltan Zeit brauchen um zu Bernadette zu kommen. Gefühlte Ewigkeiten später bekommen wir Info. Bernadette wäre nach ihrem Bekunden in einem Schwächeanfall zu Boden gegangen um nicht unkontrolliert zu stürzen. Dem Himmel sei Dank hatte Sie das Notrufhandy bei sich. Da es keine Anzeichen für Schlimmeres gab, konnten alle wieder zu Bett.

Allerdings nicht lange, denn gegen 4 Uhr läutete das Telefon erneut. Dieses Mal ein direkter Anruf von Bernadette. Sie fühle sich nicht wohl, habe die Notfallpflege und einen Arzt angerufen, sie wolle zur Sicherheit ins Spital. Ein Anruf bei Monikas Bruder, der sich dann kümmerte, war leider alles, was wir aus der Ferne tun konnten.

Nun beruhigte sich die Situation erst einmal. Im Spital wurde nach Bernadett untersucht und sie befand sich in guten Händen. Am Samstag Vormittag bekamen wir Nachricht aus Basel über die Ergebnisse und die weiteren Maßnahmen. Relativ beruhigt ging es durch den Tag. Am Nachmittag schaffte es Monika mit ihrer Mutter telefonieren zu können. Allerdings war diese ziemlich schwach und geschafft von den Untersuchungen und medizinischen Maßnahmen.

Relativ ruhig gingen wir in die Nacht auf Sonntag. Doch leider war uns auch in dieser Nacht kein durchgehender Schlaf gegönnt. Der Anruf kam dieses Mal früher, aber auch dramatischer. Eine Not-OP wäre gerade in Vorbereitungen. Der Zustand von Bernadett hätte sich massiv verschlechtert. An eine richtig geruhsame Nacht war nicht zu denken.

Der Sonntag war natürlich überschattet von den Nachrichten aus Basel. Da sich aber der Zustand von Bernadett aktuell stabil hielt entschieden wir, die Geschäftsreise nach Friedrichshafen anzutreten. In Basel hätten wir sowieso nichts tun können aktuell.

Noch am Sonntag Abend erhielten wir weitere Nachrichten. Es müsse nochmals operiert werden, es sähe nicht wirklich gut aus. In weiser Voraussicht informierte ich meine Firma über die Situation.

Die zweite OP dauerte erneut viele Stunden, Hoffen und Bangen wechselten sich ab. Der Montag verging, ein Gespräch zwischen den Ärzten und Monikas Bruder wurde auf Dienstag verschoben, um die Situation besser beurteilen zu können. Allerdings war schon klar, dass eine weiter OP würde folgen müssen.

Am Dienstag banges Warten auf die Ergebnisse des Gesprächs. Am früher Nachmittag kam endlich die Nachricht: Zustand aktuell stabil, aber kritisch und man müssen sich besprechen wie die Ärzte handeln sollten. Mir war klar, dass ich Monika niemals alleine nach Basel fahren lassen könne. Ich informierte meine Firma und nach Feierabend brachen wir auf nach Basel.

Wir kamen gerade noch rechtzeitig an. Die Ärzte hatten sich entschieden, die für Donnerstag geplante OP vorzuziehen und noch Dienstag Nacht die Kontrolle zu machen, die über die Chancen meiner Schwiegermami Auskunft geben würden. Die schon die Prognosen waren schlimm.

Wir hatten nicht ganz eine Stunde um bei Bernadette zu sein, bevor wir uns von ihr verabschieden mussten.

Es sollte nicht lange dauern, bis der befürchtete Anruf kam: „Wenn Sie ihre Mutter noch einmal sehen möchten, dann kommen Sie jetzt sofort„.

Unsere kleine Familienbande fand sich darauf hin am Krankenbett von Bernadette ein um Abschied zu nehmen.

Am 3.7.2013, um 4:50 Uhr, ließ die Seele den Körper los und ging hinüber in die neue Welt.

Bernadette Beck

Bernadette Beck, 15.2.1929 – 3.7.2013

Sie war nicht alleine als sie ging. Wir konnten die letzten Stunden bei ihr sein.

Liebe Bernadette,
wir werden immer an dich denken und dich in unseren Erinnerungen lebendig halten. Danke für die viele schöne Zeit zusammen.